A trip down memory lane.

Gestern Abend saß ich gelangweilt auf der Couch, während Wer wird Millionär lief. Meistens schweifen in solchen Situationen meine Gedanken ab. Gestern ging es mal wieder in die Vergangenheit. Ich weiß nicht, wie genau ich darauf gekommen bin, aber ich mußte an früher denken, an meine Zeit in der Musikschule, an Betriebsausflüge und wie ich dahin gekommen bin, wo ich jetzt bin. Eigentlich will ich ja niemanden mit meiner Lebensgeschichte langweilen, aber ich machs einfach trotzdem.

Ich denke oft an die Musikschule zurück, weil es für mich einfach damals der Weg aus einem tiefen, tiefen Loch war. Von da an ging es mit meinem Leben bergauf. Natürlich gab es und gibt es immer noch Hochs und Tiefs, das kennt sicher jeder, aber ich bin nie wieder so tief gefallen wie davor. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls war ich nach dem Abbruch des Studiums irgendwie verzweifelt und wußte einfach nicht, was ich machen sollte. Nach einer langen Zeit hatte ich endlich den Mut, mich ans Arbeitsamt zu wenden und mich einfach mal beraten zu lassen. Zu der Zeit hatte ich eine riesige Angst vor Menschen, also hat mich das wirklich Überwindung gekostet. Ich wollte endlich weiterkommen und ich war schon 22, also wurde es langsam mal Zeit. Ich habe der Berufsberaterin meine Situation geschildert und bin dann einige Zeit später an ein Praktikum an der Musikschule gekommen. Ich weiß noch, daß es Anfang März 2003 angefangen hat, ein paar Wochen, nachdem ich mein Häschen bekam. 8 Jahre ist das jetzt her, damals war sie noch ganz klein und jung und flauschig und total scheu (und auch unschuldig), irgendwo hab ich auch noch Bilder. Ich kann gar nicht glauben, daß das Tier jetzt schon 8 Jahre alt ist. Sie hat mich von da an durch mein Leben begleitet.

In der Musikschule war ich im Büro der Amtsleitersekretärin und habe ihr bei allen möglichen Aufgaben geholfen. Ich muß sagen, die Arbeit in einer Musikschulverwaltung ist sehr abwechslungsreich. Insgesamt war ich 2 Jahre dort und hatte die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Dinge zu tun. Dafür bin ich heute wirklich dankbar. Meine erste große Aufgabe bekam ich, als der Umzug der Musikschule ans andere Ende der Innenstadt anstand. Es sollte ein großer Festakt stattfinden, zu dem hunderte Menschen eingeladen wurden, unter anderem der Oberbürgermeister und der Kulturdezernent und viele Musicaldarsteller und wichtige Leute der Stadt und von anderen Musikschulen. Es wurden Einladungen versandt mit Bitte um Antwort und ich durfte die Excel-Liste führen und eintragen, wer zugesagt oder abgesagt hatte. Irgendwann habe ich dann selbst auch eine Einladung bekommen. Der Festakt fand im Sommer statt und es gab ein exklusives Konzert, zu dem nur die eingeladenen Gäste kommen durften, außerdem eine Tombola und alle möglichen Aktivitäten für Kinder. Ich mußte nicht viel tun, bis auf diese eine Sache. “Hier ist der Ablaufplan. Der Kulurdezernent braucht ihn inbedingt sofort, such ihn mal eben und bring ihm das.” Okay, ausgerechnet ich, habe ich mir gedacht, ich bin doch schon so schüchtern und dann noch so ein hohes Tier. Aber auch das ging gut, ich habe ihn gefunden und ihm die Mappe gegeben. In der neuen Musikschule habe ich dann auch neue Aufgaben bekommen. Es gab eine Cafeteria und eine Cafeteriakasse. Für die Kasse war ich verantwortlich. ich mußte jeden Morgen das Geld zählen und die Cafeteria in Ordnung halten. Manchmal hatte ich auch Cafeteriadienst und mußte hinter der Theke stehen und die Kunden bedienen. Ich mochte Kaffee noch nie, aber seitdem hasse ich Kaffee. Alle wollten immer nur Kaffee oder Cappucino oder Milchkaffee oder Espresso. Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören. Das schöne am Cafeteriadienst war, daß ich meine eigene Musik spielen konnte, brachte meine eigenen CDs mit und da mein Dienst meistens Mittags anfing, kamen auch fast keine Kunden in den ersten Stunden. Ein wenig langweilig war es schon.

Im September habe ich dann dort mein Freiwilliges Soziales Jahr angefangen. Das bedeutete zwar längere Arbeitszeiten, aber auch, daß ich endlich Geld verdient habe, auch wenn es nicht viel war. Natürlich bekam ich noch mehr Aufgaben, unter anderem sollte ich die Mitgliedsdatenbank des Fördervereins führen und Mitgliedskarten ausdrucken, für die Kontoführung war ich auch zuständig, mußte jeden Freitag Morgen die Cafeteriaeinnahmen zur Bank bringen. Der Nachteil am FSJ war, daß es insgesamt 4 1-wöchige Seminare gab, z. B. in Bitburg und in Weimar. Auf diesen Seminaren haben sich alle freiwilligen getroffen und Erfahrungen ausgetauscht, an Projekten gearbeitet und generell viel zusammengearbeitet. Ich habe mich in der Gruppe von jungen Leuten nie wohl gefühlt, Alle waren jünger als ich und ich hab da irgendwie nicht hingehört. Es war ein FSJ in der Kultur und alle anderen haben kulturelle Dinge gemacht, alle hatten irgendein Talent, konnten singen, schauspielen und musizieren. Ich konnte davon gar nichts und konnte einfach nie mitreden oder richtig mitmachen. In einem Seminar haben wir einen kurzen Bollywood-Film gedreht, was mir schon Spaß gemacht hat. Ich und jemand anderen sind durch Weimar gelaufen und haben nach geeigneten Drehorten gesucht, Drehgenehmigungen eingeholt, unter anderem, durften wir ausnahmsweise auf den Balkon des Deutschen Nationaltheaters. Am letzten Seminar brauchte ich nicht teilzunehmen, da wir (mit mir waren wir an der Musikschule 3 Freiwillige) bei einem Kindermusical helfen sollten. Die Musikschule hat jedes Jahr 1-2 Musicals veranstaltet und jeder Mitarbeiter hat irgendwie dabei geholfen. Ich mußte manchmal Karten verkaufen oder war am Einlaß und hab Karten abgerissen, ein anderes Mal mußte ich Türsteher spielen und durfte niemanden durchlassen, bis auf die Darsteller. Irgendwie hat niemand auf mich gehört. Die Musicals selbst habe ich am Anfang immer nur gehört und nie gesehen, und das dutzende Male, irgendwann kann man es einfach nicht mehr hören, am Schluß durfte ich sie mir dann immer ansehen. Es war nichts besonderes, die Musicals waren immer für Kinder. Bei einem Musical, welches in der Hochschule stattfand durften wir nachher sogar die restlichen Kuchen vom Kuchenverkauf mitnehmen, das war ne ganze Menge.

Das Hasenmusical fand im heißesten Sommer statt. Es war der Sommer 2004, in dem es fast unerträglich war. Wir hatten hier am Ende auch einen eigenen Tornado. Ich saß in diesem Sommer fast alleine in dem Gebäude ohne Klimaanlage, mit Fenstern, die man kaum öffnen könnte und Glasfassaden. Es war die Hölle. In den Sommerferien war nie viel los in der Musikschule, denn es fand kein Musikunterricht statt und die meisten Mitarbeiter waren im Urlaub. Jedenfalls saßen wir eines Tages im Amtsleiterbüro, haben Eis gegessen und dann beschlossen, einen kleinen Betriebsausflug zu machen. Ein paar Wochen später sind wir dann nach Holland an den Strand gefahren. Viel gemacht haben wir dort nicht, wir sind den Strand entlanggegangen, haben etwas gegessen und getrunken und haben natürlich Vla gekauft. Das gehört einfach dazu. Wenn man nach Holland fährt, dann kauft man Vla. Ich liebe Vla.

Als das FSJ zu Ende ging, mußte ich mir natürlich überlegen, wie es weiter geht. Erstmal durfte ich weiter in der Musikschule bleiben, aber aus Dauer war das keine Lösung. Ich habe dann durch das Arbeitsamt die Möglichkeit bekommen, diese Umschulung zu machen. Was genau ich machen wollte, wußte ich aber immer noch nicht. Ich dachte, daß irgendeine Bürotätigkeit vielleicht das Richtige für mich sein könnte. Es kam dann eine 6-wöchige Berufsfindung und habe am Ende aus irgendeinem Grund beschlossen, Steuerfachangestellte zu werden. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, und wenn das irgendjemanden interessiert, erzähle ich sie vielleicht auch eines Tages mal…


4 Comments

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4 responses to “A trip down memory lane.

  1. witchblade77

    Ich fand das sehr interessant.

    Die Zeit in der Musikschule klingt wirklich spannend.

    Was ist Vla??

  2. Warum weiß niemand, was Vla ist? lol. Das ist aus Holland, so ne Art Pudding und das gibt es in ganz, ganz vielen Sorten

  3. also ich fand das echt intressant maus.. und die zeit in der musikschule und den seminaren klingt toll.. lustig fand ich das mit dem bollywoodfilmchen.. hast du den noch? *gern-sehen-würd* xD und auch den rest deiner lebensgeschichte würd ich sehr gerne hören.. also immer her damit =) *hugs*

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